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Karl-Heinz Kühler
ZUPFBUNTENGEL

Bei der Frage, ob er an Engel glaube, setzt Karl Heinz Kühler sein spitzbübisches Grinsen auf und antwortet mit einem eindeutigen: „Jein.“ Es komme darauf an, was er auf sie projiziere — oder sie auf ihn. „Ich glaube auch an Engel, wenn sie keine Flügel haben“, sagt er. Wer weiß schon, wie so ein Schutzengel aussieht? Karl Heinz Kühlers sind bunt, quadratisch und haben alle Flügel. Und man kann an ihnen zupfen, „dann tun sie, als ob sie fliegen könnten“. Darum auch der Name Zupfbuntengel. „Hampelengel klingt bei weitem nicht so schön“, findet der Künstler.
34 solcher kinetischer Objekte entstanden innerhalb von zwei Jahren.

Nach seiner schweren Krebserkrankung hatte Kühler einen Weg gesucht, wieder in die Arbeit zu finden. Zunächst entstanden während seiner Chemotherapie kleine Collagen, etwa zehn mal zehn Zentimeter groß, bei denen er seiner Intuition freien Lauf ließ. „Da haben sich dann irgendwann die figürlichen Darstellungen eingeschlichen, die kleinen abstrakten Schutzengeln spielerisch sehr ähnlich sahen“, erklärt der 75-Jährige.

Bei der Umsetzung merkte Kühler, dass man die Flügel „irgendwie beweglich machen kann“. Dass er früher schon Entwürfe für Hampelmänner für die Spielzeugindustrie gemacht hatte, begünstigte seine Arbeit. Dazu kam eine pragmatische Überlegung: „Die Objekte sind genauso groß, dass sie in meine Säge passen, viele Materialien hatte ich zudem noch.“

Jedes dieser Werke ist ein Unikat, und nicht nur Farben und Formen sind verschieden, auch wenn man an den Schnüren zieht: jeder Flügelschlag hört sich anders an. Es sind die kleinen, aber feinen Eigenheiten, die die Werke von Kühler auszeichnen. Gern gibt er seine Wegbegleiter nicht ab, „sie sind mir ans Herz gewachsen, ich habe mich gut mit ihnen unterhalten“, sagt er, und lächelt wieder ein wenig spitzbübisch.

Mit Holz, findet der Künstler, lasse sich gut reden — „und man kommt auf Gedanken, auf die man alleine nicht kommt“. Schutzengel, meint Kühler, fliegen, sie wollen fliegen, so weit, so nah und dorthin, wo sie gebraucht werden. „Also besonders zu kleinen und großen Kindern.“

Quelle: Claudia Wunder/Fürther Nachrichten